Winterschlaf

Es ist an der Zeit, den Blog aus der Winterstarre zu wecken. Bleibt die Frage zu klären, warum um alles in der Welt ein Blog in Winterschlaf geht. Es ist muggelig warm in der Wohnstube, ausreichend Nahrung ist auch verhanden und es gibt auch keine Fettreserven, die aufgebraucht werden müssen. Nun, die Erklärung ist so einfach wie naheliegend. Überbordende und unüberwindliche Faulheit ist wohl der Hauptgrund für das kurzzeitige Entschlummern des Blogs und somit des Abreisens des unermesslichen Nachrichtenstroms, welcher sich unablässig vom Voksenkollen ergießt. Somit: Auf ins neue Jahr, das schon ein paar Tage alt ist, mit Elan, Fröhlichkeit und Freudeee! Daumen hoch.

Einiges ist schon geschehen im frisch geschlüpften Jahr des Untergangs. Nichts davon deutet jedoch auf ein nahes Weltenende hin und so lassen wir uns von apokalyptischen Vorhersagen nicht abschrecken und tun alles, um am Ende sagen zu können, dass es ein erfolgreiches Jahr war. Ganz wichtig auf dem Weg dahin: Katrin arbeitet laut eigenen Aussagen fleißig auf eine Beförderung hin. Das ist äußerst löblich und wenn es weiter so schleppend mit der Arbeitsfindung meinerseits geht, auch durchaus ein bäldigst anzustrebendes Ziel. Traurig aber wahr, eine Anstellung ist nicht in Sicht. Nach langer Wartezeit kam eine Absage nach der anderen. Deprimiert und mir die Wunden leckend beschloss ich, eine Auszeit von der Auszeit in Kiel zu nehmen. Eine schöne Woche alte Heimat ging leider viel zu schnell vorbei, doch es war eine gute Erfahrung, die mir gezeigt hat, dass dieses Kapitel, so traurig es auch sein mag, entgültig vorbei ist. Alles, was mich in der ersten Hälfte des letzten Jahres noch beschäftigt hat und nun andere Leute beschäftigt, ist für mich in weite Ferne gerückt und tatsächlich vergisst man die Strapazen eines universitären Abschlusses schnell und die Probleme der “nachkommenden Generation”, also jener Menschen, die jetzt am Abschluss oder weiterführenden Aufgaben sitzen, sind nicht mehr ganz so leicht nachvollziehbar, obwohl ich natürlich weiß, dass es nicht einfacher ist als bei mir damals. Der Mensch neigt ja gerne dazu, seine eigenen Probleme in den Mittelpunkt zu stellen und alles andere ein wenig auszublenden. Ich denke, da kann man niemandem einen Vorwurf machen. Ich habe also gemerkt, dass ich bei den Mensagesprächen keine Anknüpfungspunkte mehr habe auch wenn ich natürlich verstehe von was geredet wird (Nein, das Studium war nicht umsonst, ich kann immer noch an fachlichen Diskussionen teilnehmen). Ein Fremdheitsgefühl tritt ein und ist wohl der eindeutigste Beweis, dass diese Zeit unwiederbringlich vorbei ist. Damit meine ich natürlich nicht, das mir alle Menschen aus der Kielzeit fremd sind, ganz im Gegenteil, es war, als wäre ich niemals weg gewesen. Aber jetzt ist Oslo mein Zuhause, auch wenn ich mir das selber manchmal immer noch nicht eingestehen will. Das liegt vor allem daran, dass ich hier keine Aufgabe habe, womit wir wieder bei der elendigen Suche nach Arbeit wären. Im Moment ist es also ein Gefühl der Schwebe in dem man nirgendswo richtig dazugehört. Sehr seltsam das ganze.

Nichts desto trotz war der Kielbesuch sehr erfüllend. Alle Annehmlichkeiten, die man sich früher nur ab und zu gegönnt hat, wurden nun in einer Woche konzentriert, dazu zählen Ausflüge, Einkäufe und Maßlosigkeit in Bezug auf auswärtiges Essen. Bereits nach drei Monaten Oslo erscheint Deutschland bezogen auf die Preise als Entwicklungsland. Ich gebe gerne zu, dass ich mich früher auch gerne über die hohen Preise in Deutschland geärgert habe, sicher auch zu Recht aus der Sicht eines Deutschen. Doch man wird hier so auf überbordend hohe Preise konditioniert, dass alles, was unter 2,50€ verkauft wird, und sei es nur die Milch oder Wurst, als spottbillig empfunden wird. Glaubt ihr nicht? Dann geht mal hier in einen Laden, egal welcher Sorte und sucht nach Produkten die weniger als 20 Kronen kosten (~2,50€).

An dieser Stelle muss ich meine Ausführungen unterbrechen, denn Katrin ist nach Hause gekommen und hat mir demonstrativ ihren großen Hungerbauch entgegengestreckt. Weitere Ausführungen folgen in Bälde.

Ach ja und frohes neues Jahr.

2 Gedanken zu “Winterschlaf

  1. schön wieder von euch zu hören, ich klicke seit wochen wie eine süchtige auf aktualisieren…eeendlich hat mein leben wieder einen sinn – haha! schön geschrieben jan!
    wie sieht es eigentlich mit der norwegischen butter aus? habt ihr euch so an den engpass gewöhnt oder haben die bauern ihre produktivität erhöht ;)
    ich drücke katrin die daumen für die beförderung und dir natürlich für einen job, nicht aufgeben, es wartet sicher ein ganz toller job, gleich an der nächsten ecke auf dich!

    liebste grüße aus lünebursch von der sabine

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