Drei Monate sind vergangen. Keine lange Zeit möchte man meinen. Die neu beschrittenen Wege sind noch nicht ausgetreten, das Gras ist zu beiden Seiten grün und doch wird es Zeit, die Richtung zu wechseln. Nicht zurückgehen, nein, das ist nicht drin. Vielmehr erkennen, dass der Weg nicht zum gewünschten Ziel führt. Also kurz hinsetzen, Pause machen und überlegen, wo die nächsten Schritte hingehen sollen. Kommt vielleicht noch eine Gabelung oder eine unerwartete Richtungsänderung? Mag sein, aber wie lange muss ich noch gehen? Zu weit, ich bin genug in die eine Richtung gegangen, habe ich beschlossen. Wenn der Weg zurück nicht akzeptabel ist, bleibt nur eine Lösung: Ab in die Wildnis, vielleicht stoße ich nach einer Weile auf einen anderen Weg, der mich an mein Ziel bringt, obwohl es sicher auch darum geht, das Ziel neu zu definieren. Denn wenn man weder Weg noch Ziel hat, kann man weder von ersterem abkommen, noch letzteres verfehlen. Für meine Situation eine optimale Ausgangslage, denn was habe ich zu verlieren?
Nichts kann ich da nur sagen und um die überstrapazierte Metapher aufzulösen, es handelt sich hierbei, wie ihr sicher schon erkennen konntet um meine berufliche Zukunft, die noch immer in den Sternen steht und einer ordentlichen Neuorientierung bedarf. Natürlich könnte ich eine Bewerbung nach der anderen schreiben, bis meine sechsmonatige Duldung im Land vorüber ist, doch was dann? Dann würde es heißen zurück nach Deutschland, den Weg zurückgehen und das ist ja bekanntlich inakzeptabel. Deshalb muss eine neue Strategie her. Jene, die ich mir überlegt habe, scheint für mich momentan die einzig durchführbare zu sein und ist somit, um es mit dem Unwort zu benennen, alternativlos. Abwegig und völlig neu ist die Strategie zwar nicht, vor allem wenn man bedenkt, in welchem Feld Katrin tätig ist. Gefürchtet und dennoch bewundert, bleibt nur der Weg in die Selbstständigkeit. Nein, kein großes Unternehmen, kein Eigenkapital und auch keine aufwendige Buchführung. Ein simples Einmannunternehmen, genannt ‘Enkeltpersonforetak’. Das hört sich alles größer an, als es ist, denn eigentlich läuft es darauf hinaus, dass ich freiberuflich tätig werden möchte bzw. muss. Nach langen Recherchen weiß ich nun auch, wie ich das ganze in Norwegen, als Ausländer ohne Personennummer in die Wege zu leiten habe.
Somit ist mir nicht nur ein weiteres Verbleiben in Norwegen gestattet, ich bekomme also eine P-nummer, sondern ich glaube, dass es mich zudem mit ein bisschen Glück auf einen neuen Weg bringt, um es wieder mit der Metapher auszudrücken. Und vielleicht, wer weiß, kann ich dabei mein Ziel neu definieren und somit in aller Glückseeligkeit in die Zukunft marschieren.
Und bedenke, dass du auf deinem Weg vielleicht augenscheinlich alleine bist, aber du bekommst immer Unterstuetzung von allen Seiten … in Form von Sonne, warmen Windbrisen oder kleinen Elfen, die am Wegesrand sitzen und dir sagen, du bist toll und du schaffst!
Ich crosse meine Daumen und glaub an Dich!